Seitenanfang

Kirche

Ortmitte (1910)

Mühle (1910)

Baumaßnahmen

Seitenende

Geschichte des Ortes Mingerode

Mingerode wurde erstmals als Munningerode im Jahr 1184 in einer Urkunde der Agnes II, Äbtissin des St. Servatius-Stiftes Quedlinburg, erwähnt. Nach dieser Urkunde kaufte das Stift verloren gegangene Besitzungen u.a. auch in Immingerode und Obernfeld zurück. Schon verhältnismäßig früh, nämlich 1261, wurde in einer Urkunde ein Pfarrer in Mingerode genannt. Die Entstehung der „rode“-Dörfer wird in der Zeit vom 10. bis 13. Jh. angenommen, als die Grundherren den inneren Landesausbau forcierten. Da Mingerode schon verhältnismäßig früh einen Pfarrer unterhalten konnte, reichen die Anfänge wahrscheinlich bis zum Jahr 1000 zurück.

Zum SeitenanfangKirche in Mingerode


Der Ortsname verrät, dass es sich um einen sog. „inge“-Namen handelt. Sprachwissenschaftlich bedeutet dieses, dass eine Sippe für die Gründung des Dorfes in Frage kommt, und zwar die Sippe des „Mund“.

Die baulichen Anfänge unseres Dorfes lassen sich wegen der günstigen Siedlungsbedingungen im Bereich der Kirche vermuten. Hier bestand keine Hochwasser-Gefahr und der Weg zum Bach zwecks Wasserversorgung war auch nicht weit. Das Vieh konnte in dem Tal der Beeke, östlich der Hahle und südlich der Betzelföhre weiden. Die Ländereien oberhalb des Dorfes haben überwiegend relativ fruchtbaren Boden. Die Ernte konnte wegen des abschüssigen Geländes leichter eingebracht werden.

Von großem Vorteil war auch die günstige Lage an der berühmten Nürnberger Heer- und Handelsstraße, die von Italien kommend über Augsburg und Nürnberg, Erfurt, Duderstadt, Seesen, Hildesheim oder Braunschweig nach Hamburg und Lübeck den norddeutschen Raum erreichte. Diese Straße verlief über den Sulberg in unser Dorf. In der Dorflage querte sie ursprünglich die heutige Hildesheimer Straße, wurde über das Grundstück Bachstraße 4, vermutlich durch den Dorfbach die Künemeiergasse hoch geführt bis sie durch das westliche Straßenstück der St. Andreas-Straße die heutige B 247 erreichte. Dadurch erklärt sich auch der alte Straßenname „Im Winkel“.

In den ersten Jahrhunderten waren Grundherren: von Minnigerode, von Bülzingslöwen, von Westernhagen u.a., die ihre Ackergüter vom Stift Quedlinburg als Lehen erhielten und diese an Mingeröder Bauern weiter vermeierten. Eigenes Land besaßen, wenn überhaupt, nur wenige Bauern.

Zum SeitenanfangMingerode um 1910

Es hat vermutlich von Beginn an immer eine enge Bindung an die Stadt Duderstadt bestanden. Leider ist kein Dokument überliefert. Nur an den Rechnungsbüchern der Stadt ist zu erkennen, dass Mingerode spätestens 1430 Ratsdorf  von Duderstadt wurde. In fast allen Belangen war das Dorf dem Rat der Stadt unterstellt und hatte vielfältige Dienste in der Stadt zu leisten, die überwiegend aus der Ablieferung des sog. Satzhafers und Beförderung von Frachten mit Pferdewagen im Reihedienst bestanden. Selbst bei Bränden hatten die Dorfbewohner zu Hilfeleistungen in die Stadt zu kommen. Auch bei den Hüterechten der Haustiere und Fragen der Gemarkungsgrenze hatte die Stadt ein wichtiges Wort mitzureden. Es kam immer wieder zu Streitigkeiten. So auch im Jahr 1743 als die Mingeröder ihrer Verpflichtung, den Galgen auf dem Sulberg aufzubauen, weil wieder einmal eine Hinrichtung anstand, nicht nachkommen wollten. Wegen dieser Verpflichtung wurden die Mingeröder von den anderen Dörfern als „Galgenvögel“ verspottet. Erst als 43 Mingeröder einige Tage im Gefängnis in Duderstadt verbracht hatten, versprachen sie, diese zu erfüllen. Aus dieser Abhängigkeit ist auch die heute manchmal auftretende Rivalität der Ortsteile zu Duderstadt zu verstehen. Kann man sich mit Duderstadt rühmen, tut man es gern und betont, ein Duderstädter zu sein. Will man aber seine Identität mit dem Heimatdorf hervorheben, werden die „Anreischken“, speziell für Mingerode die „Frät-Anreischken“, verspottet. Der Spottname ist in Mingerode dadurch entstanden, dass zu allen Festen, hauptsächlich zur Kirmes, die Freunde und Verwandten aus Duderstadt kamen und den deftigen Speisen gern reichlich zusprachen. Üblich war auch, für die nächsten Tage noch etwas einzupacken und mitzugeben. Dabei spielte die „Kälberblase“ eine große Rolle. Dieses Verhalten führte zu dem Spruch: „Sattessen ist erlaubt, nur nichts beibeuteln!“

Wie bereits erwähnt, hatte unsere Gemeinde bereits im Jahr 1261 einen Pfarrer. Die Vorgängerkirche, die spätestens im 13. Jahrhundert erbaut wurde, erfuhr 1522 eine gründliche Renovierung und Erweiterung. Wegen der außergewöhnlichen Erker am Turm wurde die Kirche im Volksmund „Papenmütze“ genannt. Etwa 1550 verlor die Pfarrgemeinde ihre Selbständigkeit und wurde als Filialgemeinde der Pfarrei Obernfeld zugeschlagen. Etwa 200 Jahre lang wird in den Akten von Baufälligkeit bzw. dringender Reparatur der Kirche gesprochen. Für die Bedürfnisse der Kirchengemeinde musste die sog. Mingeröder Erbschaft, eine Genossenschaft, die hauptsächlich aus Duderstadter Bürgern und wenigen Mingeröder Einwohnern bestand, sorgen. Diese Erbschaft tat immer nur das Nötigste, so dass es oft Streit gab. Im Jahr 1823 löste die Erbschaft durch Zahlung einer bestimmten Summe und den Bau einer neuen, einstöckigen Schule diese Verpflichtung ab. Dazu war der Verkauf des Ackergutes im Dorf erforderlich. Schon bald danach löste sich auch die Erbschaft auf. Die Kirche musste 1859 wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Nach notdürftiger Reparatur konnte sie aber bald wieder benutzt werden. Unter den denkbar schlechtesten Bedingungen mussten die Gläubigen noch bis 1873 ausharren. Die alte Kirche wurde 1871 abgebrochen. Nach eineinhalb Jahren konnten die Messen in der neuen Kirche gefeiert werden. Das Geläut der Kirche besteht aus vier Glocken. Davon wurden zwei mindestens im 14. Jahrhundert und eine 1486 gegossen. Die größte Glocke (670 kg) goss Firma Feldmann & Marschel, Münster, 1957.

Zum SeitenanfangMühle um 1910

Die desolaten Schulverhältnisse wurden dadurch verbessert, dass die bisherige Schule in unmittelbarer Nähe der Kirche 1873 aufgestockt wurde. Aber erst der Neubau der Schule an der jetzigen Bundesstraße konnte ab 1927 die Schulprobleme für die nächsten 30 Jahre befriedigend lösen, ehe wieder eine umfassende Erweiterung erforderlich war.

Aufgrund der freiheitlichen Regelungen der Napoleonischen Verfassung von 1807 im Königreich Westfalen konnte sich die Gemeinde von den Dienstverpflichtungen gegenüber der Stadt Duderstadt durch Gerichtsentscheidung teilweise befreien. Erst durch die Hannoversche Gesetzgebung von 1831, nach der die Zinsen, Zehnten, Dienste und ähnliche Reallasten durch Zahlung des 25-fachen Jahresbetrages oder Jahreswertes abgelöst werden konnten, war eine Befreiung möglich, die sich bis zum I. Weltkrieg hinzog.

Im Zuge der Reform in Niedersachsen verlor Mingerode seine gebietskörperschaftliche Eigenständigkeit am 31. Dezember 1972 und wurde der Stadt Duderstadt eingegliedert.

Im Eichsfeld hat jedes Dorf seinen Spitznamen. Die Mingeröder sind die „Pannkauken“ = Pfannkuchen. Das Geläut der Kirche ist disharmonisch. Die Nachbardörfer wollen vor etwa 100 Jahren den Ruf der drei Glocken als „Pann-kau-ken“ verstanden haben.

Baumaßnahmen von besonderer Bedeutung im 20. Jahrhundert:

1907    Bau der Zigarrenfabrik

1907    Erweiterung der Gemeindegastwirtschaft durch den
             „Drei-Kaiser-Saal“

1913    Verrohrung der Beeke im östlichen Teil (Bachstraße)

1921    Errichtung des Kriegerdenkmals für die Gefallenen des
           I. Weltkrieges

1921    Versorgung der Ortschaft mit Elektrizität

1925    Abschluss der 1873 begonnenen Verkopplung der Feldflur

1926    Gasversorgung der Häuser an der Landstraße

1927    Neubau der heutigen Grundschule

1928    Bau der Gruppen-Wasserleitung für den Ort

1934    Bau der Badeanstalt

1943    Errichtung des Bahnhofes

1951    Neubau des Spritzenhauses

1954    Neugestaltung des Kriegerdenkmals

1954    Beginn des Ausbaus der innerörtlichen Straßen

1958    Erweiterungsbau der Schule (vier Klassenräume)

1966    Bau der Turnhalle

1966    Errichtung des Pfarrhauses

1969    Bau des Abwasserkanals für das ganze Dorf

1972    Verrohrung der Beeke im westlichen Teil (Lindenallee)

1974    Errichtung des Pfarrheimes

1978    Umbau des Wasserbehälters zum Kyffhäuser-Heim

1979    Bau des Sporthauses am Sportplatz

1986    Bau der Tennisplätze beim Kyffhäuser-Heim

1986    Schaffung eines Freizeitgeländes im Kirchtal

1994    Dorferneuerung: Neugestaltung der Lindenallee, Erneuerung
            der Ortsdurchfahrt der B 247 und des Dorfplatzes
            sowie Aufstockung des Sporthauses (1995)

1995    Neubau des Radweges nach Duderstadt

                                                                                                                        Andreas Müller
                                                                                                                        Ortsheimatpfleger
                                                                                                                        20. Januar 2001

 

Zum Seitenanfang

zurück                                                         weiter